Streif-Blog:

Alt bewährt oder futuristisch modern?

Vom erbitterten Kampf um die Vormachtstellung unter den Klavieren.

‍Musikalischer Favorit seit Jahrhunderten und unumstrittener Sieger der Musikerherzen: Das klassische Klavier verkörpert nicht nur Eleganz und Klasse, sondern fungiert aufgrund seinen nicht gerade geringen Anschaffungskosten auch als Statussymbol. Seit einigen Jahren scheint die elektronische Variante jedoch ebenso reichlich Anklang zu finden und vor allem mit günstigeren Preisen und verschiedenen Funktionen zu locken. Doch was ist beim Kauf eines solchen Geräts zu beachten und welche Pro- und Kontrapunkte ergeben sich?

Klassisch vs. modern - der Unterschied will gelernt sein!

Während der größte Unterschied eindeutig auf den ersten Blick in der Optik zu finden ist, spielt die Technik dahinter ebenso eine wesentliche Rolle. Was bei einem eindrucksvollen, eleganten Flügel kleine Hämmerchen sind, welche gegen Seiten schlagen, um klangvolle Töne zu erzeugen, wird beim E-Piano durch Elektrizität aufgewogen. Ziel der elektrischen Variante ist die Nachahmung des Klangs und des Spielgefühls eines klassischen Klaviers, was einigen Modellen mittlerweile hervorragend zu gelingen vermag.

Obwohl das E-Piano doch so simpel erscheinen mag, steckt auch in ihm ein gewisses Maß an Komplexität, denn grundsätzlich gilt es auch hier zwischen elektrischen und elektronischen Modellen zu unterscheiden. Während erstere vorwiegend den akustischen Verwandten ähneln, sind elektronische Modelle eher ein Relikt aus alten Zeiten. Die Elektrifizierung hat hierbei den Zweck, den Pianisten oder die Pianistin zu ersetzen, indem die Tasten durch ein elektrisches System bedient werden. Der Grund hierfür liegt darin, dass  Musikstücke früher meist über sogenannte Notenrollen eingesetzt wurden, welche dauerhaft durchlaufen werden konnten. Elektrische Pianos hingegen setzten auf Computertechnik und verwenden daher kaum Mechanik.


Das Spielen an einer authentischen Klaviertastatur mit elektronischen Klangeinstellungen

In weiterer Folge sind beim Kauf eines solchen Tasteninstrumentes nicht nur das Spielgefühl ausschlaggebend, sondern besonders der Klang entscheidend. Während eine authentische, dem klassischen Klavier nachempfundene Tastatur für ein möglichst originalgetreues Spielgefühl sorgen soll, entscheidet auch Tastengewichtungung und Anschlagverhalten. Diese sollten möglichst harmonisch aufeinander abgestimmt sein, um die Dynamik des klassischen Vorbilds so gut wie möglich darzustellen. Hierfür kommen besondere Hammermechanismen mit Sensoren zum Einsatz.

Auch klanglich soll der elektrische Nachahmer dem klassischen Verwandten in nichts nachstehen. Hierfür werden die stilvollen Klänge zuvor von exklusiven, hochwertigen Pianos aufgenommen und in weiterer Folge, die an den Tastendruck angepassten Töne elektronisch erzeugt. Sobald die E-Piano-Tasten betätigt werden, können die aufgenommenen Klänge über die Elektronik abgespielt und damit originalgetreu imitiert werden.

Wie außerordentlich bezaubernd ein Digitalpiano klingen kann, zeigt das folgende Video, in dem das Modell Clavinova CLP-700 von Yamaha präsentiert wird:


Im siebten Himmel der Klänge auch mit E-Pianos

Während Klang und Haptik des E-Pianos dem klassischen Klavier sehr nahe kommen, lädt der deutlich geringere Preis ‍oftmals dazu ein, die Überlegung sich ein akustisches Klavier anzuschaffen, recht zügig über Bord zu werfen. Derartige Einsteigermodelle sind bereits für rund 500 Euro erhältlich. Hochwertigere Ausführungen können dagegen bis zu 1.500 Euro und weit darüber hinaus kosten. Ein klassisches, klangvolles Klavier ist preislich jedoch rasch bei über 5.000 Euro und mehr angesiedelt.

Mit guten Kopfhörern erlebt man das E-Piano in voller Lautstärke und zugleich ganz leise

Doch nicht nur preislich überzeugt die elektrische Alternative, sondern auch mit einem integrierten Lautstärkenregler wird das Spielen zu jeder Tag- und Nachtzeit möglich gemacht. Wer zudem Kopfhörer zur Hand hat, wird bis auf das kaum wahrnehmbare Geräusch des Hammermechanismus nicht mehr gehört. Damit ist das E-Piano seinem klassischen Verwandten ganz klar im Vorteil, da dieses nicht auf Knopfdruck in klanglicher Hinsicht verstellt werden kann. In weiterer Folge ist ein E-Piano ein musikalisches Leichtgewicht: In Einzelteile zerlegbar, verzeiht es einen längeren Transport viel eher, als beispielsweise ein massiv gefertigter Flügel. Weiters findet ein E-Piano aufgrund seiner kompakten Größe in jeder noch so kleinen Wohnung Platz, während ein Klavier besondere Ansprüche verlangt, was den richtigen Standort betrifft.‍

Wohl bekannt werden klassische Pianos aus Holz gefertigt. Da es sich hierbei um ein natürliches Material handelt, welches sich von äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit oder Temperaturschwankungen beeinflussen lässt, muss ein Klavier in regelmäßigen Abständen gestimmt werden. Sowohl Saitenspannung als auch Resonanzkörper sind von den Material-Veränderungen betroffen. Nach und nach lässt die Klangqualität zum Leidwesen des Besitzers nach. Ein Fachmann muss sich dem Instrument annehmen und das Klavier schließlich stimmen. Bei einem E-Piano fallen diese Zusatzkosten gänzlich weg. Die Klangerzeugung ist aufgrund der elektronischen Funktionsweise nicht von Umwelteinflüssen betroffen und daher kann auf das Stimmen gänzlich verzichtet werden.

Wer sich der Kunst Klavierspielen annehmen möchte, ist mit einem E-Piano anfangs bestens beraten, da es über einige nützliche Hilfestellungen verfügt. Beispielsweise sind einige Modelle mit einem sogenannten Metronom ausgerüstet. Bei Bedarf unterstützt es den Pianisten, indem es das Tempo und den Takt melodisch korrekt vorgibt. Nicht weniger praktisch ist die Begleitautomatik inklusive „virtueller Band“. Mit einer Aufnahmefunktion lassen sich bereits gespielte Melodien und Lieder aufzeichnen, was das Beobachten und Kontrollieren der individuellen Fortschritte um ein Vielfaches vereinfacht. 

Zudem erlauben umfangreich ausgestattete E-Pianos mehrere diverse Klang-Variationen. Neben dem typischen Piano-Sound sind Klänge von anderen Klaviertypen wie Flügel, Orgel oder Cembalo und viele mehr verfügbar.

Was jedoch einen gravierdenden, nicht zu unterschätzenden Nachteil darstellt, sind etwaige höher ausfallende Reparaturkosten‍. Grund hierfür sind die elektronischen Komponenten, welche ausschließlich vom Hersteller bezogen werden können. Hinzu kommt die Abhängigkeit der ständigen Stromversorgung, welche stets das Risiko einer elektrischen Störung birgt. Ebenso vermag ein Liebhaber der Klassik mit der modernen Version des eleganten, hölzernen Verwandten, sein Glück womöglich nicht in dem Metalloptik-Gehäuse finden.

Bitte einmal E-Piano - aber richtig!

‍Sollten Sie nun zu der Übereinkunft gekommen sein, Ihr Zuhause mit einer elektronischen Klaviervariante bestücken zu wollen, so haben wir Ihnen hier einige Kriterien aufgelistet, auf welche unbedingt beim Kauf geachtet werden sollte.

Um eine professionelle Klavier-Spieltechnik zu erlernen, sind gewichtete Tasten und ein dynamischer Anschlag unverzichtbar. Achten Sie daher auf ein angenehmes Spielgefühl. Es bietet sich an, das Instrument vorher entsprechend auszuprobieren und bei Bedarf fachkundigen Rat einzuholen. Nicht zu vernachlässigen ist die Polyfonie, denn mit ihr wird die Stimmenanzahl dargelegt, welche gleichzeitig abspielbar ist. Mindestens 64 Stimmen sollte die Polyphonie des E-Pianos bieten, während 96 ideal wären. Fortgeschrittene Virtuosen sind mit 256-stimmiger Polyphonie bestens bedient. Weiters gilt je mehr verschiedene Funktionen das E-Piano besitzt, desto komplizierter gestaltet sich auch seine Bedienung. Weniger technisch affinen Pianisten sei daher geraten zu intuitiver gestalteten Modellen zu greifen.‍

Herz über Kopf - Herzenzentscheidung Klavier 

Rational gesehen hat das E-Piano im direkten Vergleich einige nennenswerte Vorteile gegenüber dem klassischen Klavier. Von der kleiner ausfallenden Statur, über die variable Lautstärke bis hin zu den weitaus erschwinglicheren Preisen. Während einige überaus begeistert von den Klang-Funktionen sind, ist das E-Piano vorwiegend klassischen Pianisten und Pianistinnen ein Dorn im Auge. So praktikabel der elektrische Nachfahre doch sein mag, so sehr fehlt ihm auch die Lieblichkeit und eine historische Geschichte, welche leidenschaftlich, tief in jede Furche des Holzes gearbeitet wurde. Es ist das exquisite, unbeschreibliche Gefühl des ganzen Instrumentes, welches beim Spielen herrscht, das ein klassisches Klavier von der elektrischen Variation unterscheidet. Jedoch muss am Ende jeder für sich entscheiden und daher gilt: ein Klavier ist nicht nur ein Instrument, es ist ebenso Herz, Leib und Seele.

Der Autor

Heimo Streif jun.

Klavierbaumeister seit 2003 Inhaber des Klavierhauses Streif seit 2006 Allg.beeid. u. ger. zert. Sachverständiger für Klaviere

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